Es ist heiss. Trocken. Staubtrocken.
Auch in diesem Sommer reiht sich eine Hitzewelle an die nächste. Draussen zieht der Bauer mit Traktor und Schwader seine Bahnen über die Wiese. Hinter ihm entstehen ordentliche Heuwalme, während Staub von Erde und Heu in der Luft tanzt und ihn zeitweise ganz einhüllt.
Hitze verändert den Rhythmus des Lebens. Sie verlangsamt. Ich denke langsamer, gehe langsamer, arbeite langsamer. Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr entdecke ich darin auch etwas Gutes: Hitze zwingt mich, das Tempo zu drosseln. Eigentlich ist sie eine natürliche Verlangsamungshilfe. Davon profitiere ich sogar.
Heute Mittag zeigte das Thermometer auf unserem Balkon 30 Grad. Bei einem leichten Essen mit meinem Compagnon genossen wir den Schatten, bevor ich mich am Nachmittag ans Schreiben machen wollte.
Doch wie schreibt man, wenn die Hitze die Gedanken beinahe davonschmelzen lässt?
Zum Glück befindet sich meine kleine Schreibfabrik im untersten Stock unseres Hauses. Dort ist es selbst an heissen Tagen noch angenehm kühl. Dennoch braucht es ein paar bewährte Strategien, um mit der Sommerhitze gut umzugehen.
Viele dieser Möglichkeiten begleiten mich schon seit Jahren – einige kenne ich aus meiner Berufspraxis, andere haben sich im Alltag einfach bewährt. Das Schöne daran: Sie kosten nichts.
Bevor ich also den Ventilator vom Estrich hole – dort wartet er für den echten Notfall –, nutze ich zuerst diese einfachen Massnahmen.
Hier sind meine acht kostenlosen Tipps für einen entspannten Umgang mit der Hitze.
1. Kräftigende Körperübungen

Einige kräftigende Körperdehnübungen nach dem Aufstehen setzen einen wohltuenden Gegenpol zur kraftvollen äusseren Sonneneinstrahlung.
Ich kenne sie aus dem Polarity Yoga. Fünf bis zehn Minuten reichen. Danach geniesse ich in Ruhe die Morgenstimmung.
2. Lüften und verdunkeln

Ich öffne alle Fenster, um die kühlere Morgenluft ins Haus zu lassen. Dann schliesse und verdunkle ich alles. Immer wieder staune ich, wie es so drinnen kühl bleibt.
Wenn die Dämmerung die kühlere Abendluft bringt, beginne ich auf der Schattenseite Fenster und Türen wieder zu öffnen und lüften. Währenddessen esse ich zu Abend, geniesse die Abendstimmung und den Sonnenuntergang draussen.
3. Energie in die Füsse ziehen

Ein kaltes Fussbad unter meinem Schreibtisch klärt wunderbar den Kopf und die Gedanken, wenn die Hitze draussen mich ermüdet.
Und genauso schreibe ich jetzt gerade diesen Artikel.
4. Wasser trinken

Viel klares Wasser trinken! Keine gesüssten! Das Wasser belebe ich mit frischen Kräutern wie Minze oder Zitronenmelisse aus dem Garten.
Morgens fülle ich mir den grössten Wasserkrug, um verteilt zu trinken. Meine Gehirnfunktionen danken es mir und in der Nacht schlafe ich besser.
5. Schwitzen

Viele Menschen nehmen ihr Schwitzen als unangenehm wahr. Doch gerade in der Hitze ist Schwitzen sehr wichtig.
Ich rede hier aus Erfahrung, weil ich selber sehr lange in meinem Leben keinen Tropfen schwitzte. Schwitzen ist die natürliche Ausscheidung über die Haut und kühlt die Körperfunktionen. Ich trage luftige Kleidung aus Naturfasern. Da kann ich schwitzen, so viel ich will, ich fühle mich immer wohl.
6. Badi / Duschen

Leider ist hier, wo ich wohne, keine Badi um die Ecke, wo ich hingehen und im Wasser plantschen könnte.
Deshalb belohne ich mich nach Feierabend mit einem Besuch am nahen Bielersee, an der Aare oder sonst an einem Bach in der Nähe. Vor dem Zubettgehen gönne ich mir eine erfrischende, lauwarme Dusche.
7. Kneippen

Kneippen erlebe ich jedes Mal als wahren Jungbrunnen.
Fühle ich mich erschöpft, erhitzt und überlastet, dann fahre ich aber nicht an einen Kneipp-Kurort oder zu Kneippbecken. Ich gehe Wassertreten im Dorfbrunnen oder nahen Fluss, setze mich an den Rand und stelle meine Beine rein, stehe rein und gehe darin herum. Dabei werden meine Abwehrkräfte gestärkt und es fördert meine Beweglichkeit. Kinder machen es vor. Erwachsene dürfen dies ebenso.
8. Spaziergänge im Wald

Ich verbringe jetzt mehr Zeit mit Spaziergängen im nahen schattengebenden Wald.
Tanke ich hier frischen Sauerstoff, reguliert das meine innere Wärme, ich schalte abends besser ab und schlafe besser.
Ob ich den Ventilator diesen Sommer doch noch vom Estrich hole? Gut möglich. Aber solange meine acht kleinen Helfer ausreichen, darf er dort oben warten.
Manchmal sind es gerade die einfachen Dinge, die am meisten bewirken. Ein geschlossenes Fenster zur richtigen Zeit, ein kühler Raum, genügend Wasser – und die Erlaubnis, den Tag etwas langsamer anzugehen. Ich sehe es als die eigentliche Einladung des Sommers: weniger kämpfen, mehr mitgehen. Langsamer werden. Und gerade darin neue Kraft finden.
Der Bauer hat inzwischen seine Heuwalme fertig gezogen und der Staub hat sich auch wieder auf die Wiese gelegt. Die Hitze wird wieder vorübergehen. Bis dahin wünsche ich Ihnen viele kühle Momente und einen Sommer, den Sie trotzdem geniessen können.
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