Wie Nebel inspiriert

Im Nebel von Veränderungen

Dieses Jahr haben mich persönliche Veränderungen in Atem gehalten. Entscheidungen, die sich nicht ankündigten, sondern wie dichter Nebel über mir lagen. Veränderungen fühlen sich oft genau so an: Man sieht kaum weiter als bis zum nächsten Schritt. Orientierung geht verloren, Gewissheiten lösen sich auf.

Den Umgang damit habe ich mir nicht ausgesucht. Ich habe ihn gelernt – langsam, tastend, manchmal schmerzhaft. Und doch habe ich in diesem Jahr Entscheidungen getroffen, die sich richtig anfühlen. Nicht, weil der Nebel sich sofort verzogen hätte, sondern weil ich gelernt habe, mich in ihm zu bewegen.

Eine kleine Geschichte: Da ist eine Hauptfigur. Sie erlebt Veränderung als chaotisch, überwältigend, beängstigend. Sie fühlt sich fremdbestimmt, auch wenn sie dieses Wort nicht kennt. Sie glaubt, das Leben werfe sie herum, ohne dass sie Einfluss nehmen könnte.

Sie kämpft, oft ums eigene Gleichgewicht, ohne zu verstehen, warum alles so anstrengend ist. Ruhe kennt sie nicht. Sie bewegt sich in einem leidvollen Kreislauf, der sich immer wieder schliesst.

Am Ende gleicht ihr Leben einer hoffnungslos versalzenen Suppe – ungeniessbar. Für einen Moment denkt sie ernsthaft darüber nach, alles wegzuwerfen.

Doch dann überrascht sie mich.

Eines Tages beschliesst sie, sich die Natur zum Vorbild zu nehmen. Veränderung nicht länger nur zu erdulden, sondern selbst in die Hand zu nehmen. Die Frage bleibt: Wie macht man eine versalzene Suppe geniessbar?

Indem man sie verändert.

Und indem man sich selbst verändert.

Die Natur zum Vorbild nehmen

Es ist Herbst, während ich das schreibe. Der Nebel zeigt sich häufig – und jedes Mal wirkt er anders. Gerade er inspiriert mich. Ich lasse mich gern auf ihn ein.

Im Nebel spazieren zu gehen, ist erholsam. Ich bin für andere unsichtbar. Niemand beobachtet mich, niemand erwartet etwas.

Der Nebel macht Unsichtbares sichtbar: Spinnennetze an Sträuchern, feine Strukturen, überraschende Pflanzen am Wegrand. Gleichzeitig begrenzt er meinen Blick. Manchmal sehe ich nur bis zu den Fussspitzen.

Er hüllt mich ein wie ein schützender Mantel. Wenn die Augen weniger leisten, werden die Ohren wach. Geräusche treten hervor, Gedanken ordnen sich. Antworten liegen plötzlich „direkt vor der Nase“.

Wenn Gedanken meine Sinne vernebeln, gehe ich nach draussen. Beim Gehen klärt sich der Kopf – und nicht selten lichtet sich gleichzeitig auch der Nebel in der Landschaft. Dann weiss ich: Ich bin wieder in Bewegung, nicht getrieben, sondern geführt von mir selbst.

In den Bergen tauche ich bewusst in den Nebel ein. Oder ich halte mich über seiner Grenze auf, im Sonnenlicht. Beides hat seinen Platz. Wie im Leben können ganze Landschaften zeitweise verborgen sein, ohne verschwunden zu sein.

Nimm dir Zeit für Veränderungen

Vor ein paar Tagen war ich wieder im Nebel unterwegs. Ich dachte daran, dass Veränderung Zeit braucht, wenn sie gelingen soll. Sie betrifft den Körper, den Geist und die Seele. Nichts davon lässt sich beschleunigen.

Pausen sind kein Stillstand. Sie sind Teil des Prozesses.

„Da empfehle ich dir eine Hängematte“, flüsterte mir meine Hauptfigur zu. Genau in dem Moment, als ich im Wald stehen blieb und die Bilder machte, die hier folgen.

Nimm dir die Natur zum Vorbild. Lerne von ihren Lösungen. Lass dich vom Nebel inspirieren, statt ihn zu bekämpfen.

Siehst du die Hängematten, die Mutter Natur für uns gewoben hat?

P.S.: Wenn du magst, lies auch meine Nebelgeschichte: Wandern im Nebel ist doof.


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