12 von 12 im Juli 2026

Endlich! Die hellsten und wärmsten Tage des Jahres sind da – die Sonne hat ihren Zenit erreicht. Das Feuer der Sommerzeit. Im Lauf des Frühsommers habe ich einen bedeutenden Teil meines Jahresvorhabens geschafft. Die Veröffentlichung von Ruf des Jura steht bevor.

Ich darf feiern. Ein ganz anderes Feuer.

Wie in südlichen Ländern verspüre ich jetzt den Wunsch, die Arbeit etwas ruhen zu lassen, Menschen zu treffen, gemeinsam an einem Tisch zu sitzen, gut zu essen, ein Glas Wein zu trinken – unter freiem Himmel oder im Schatten eines Baumes …

12. Juli. Es ist Sonntag und wieder Zeit für 12 von 12 – zwölf Bilder aus meinem Alltag. Die Aussicht auf einen weiteren heißen Tag lässt mich ganz automatisch langsam beginnen.

Noch in der Kühle des Morgens ernte ich die letzten Stachelbeeren.

Bevor ich mich in die Küche stelle, genießen wir gemeinsam ein Frühstück mit einem frisch gebackenen Zopf.

Während die Konfitüre einkocht, schweifen meine Gedanken zurück zu den Tagen auf Mallorca.

Ich brauche den Sommer. Und das Meer. Es sind die Momente, in denen ich durchatme, auftanke und mit leichtem Herzen Menschen begegne. Am liebsten würde ich gerade die ganze Welt umarmen und allen erzählen, dass mein Buch bald erscheint.

Doch die Realität sieht anders aus.

Hitzewellen folgen diesen Sommer Schlag auf Schlag. Höchste Feuergefahr. Wasser sparen ist angesagt.

Im Garten hat das Wachstum aufgehört. Rundherum ist es braun.

Unser Vorrat an gesammeltem Regenwasser ist aufgebraucht. Heute gestehen wir uns schweren Herzens ein: Wir sind machtlos. Die Sonne ist stärker.

Auch unser Garten ist braun geworden. Nur einzelne Lavendelstöcke und eine gelbe Blume – deren Namen mir partout nicht mehr einfällt – setzen noch Farbtupfer.

Vielleicht ist sogar das eine Folge der Hitze.

Beim Frühstück beschließen mein Compagnon und ich, aus dem Gemüsegarten zu retten, was noch zu retten ist.

Wir ernten.

Für heute reichen die Zwiebeln, der Rest kommt die nächsten Tage raus. Ich werde nichts mehr säen und nichts mehr pflanzen. Die Erde darf jetzt ruhen. Zum Glück schützt Gründüngung den Boden.

Wir kämpfen nicht gegen die Natur. Wir gehen mit ihr. Und wir schauen, was nach dieser Hitze bestehen bleibt. Wir sparen unsere Kraft.

Mit wem ich in diesem Sommer besonders häufig Bekanntschaft mache, sind Mücken. Schon auf Mallorca haben sie mich entdeckt, und inzwischen bin ich übersät mit Stichen.

Der Sommer ist für mich eigentlich die Zeit der Begegnungen. Ich treffe Menschen, tausche mich aus, lache, genieße lange Abende. Dass ausgerechnet die Mücken meine geselligsten Begleiter sind, hätte ich allerdings nicht gebraucht.

Wir probieren endlich den erfrischenden Capriciane aus, ein Enzianspritz. Der Schnaps aus der Wurzel des Gelbenzian aus dem Jura schmeckt sehr erdig. Man liebt ihn oder nicht. Dieser Spritz wird mit Enzianlikör zubereitet, das Rezept eines lokalen Produzenten, das wir entdeckt haben.

Trotz Hitze und Trockenheit möchte ich mich nicht zurückziehen. Ich will diese Jahreszeit mit ihrer Wärme, ihrer Leichtigkeit und ihren Begegnungen genießen.

Auf 1267 Metern über Meer ist es heute Nachmittag angenehm kühl. Die Bise lässt uns gar etwas frösteln. Bei 28 Grad! Wir besuchen eine uns bekannte Maiterie (Berggasthof) im Jura, deren Gemüsegarten noch ein Hingucker ist, deren Käsekeller dank der dicken Steinmauern immer noch der kühlste Raum ist.

Und in wenigen Tagen breche ich zu einer Woche mit guten Kollegen auf. Gemeinsam musizieren. Gemeinsam lachen. Zeit füreinander haben. Darauf freue ich mich.

Der Sommer zeigt sich in diesem Jahr von seiner schönsten und zugleich von seiner härtesten Seite. Zwischen Vorfreude, Trockenheit und Abschied vom Gemüsegarten bleibt für mich heute an diesem Sonntag vor allem eines: dankbar zu sein für die Menschen, mit denen ich diese Zeit teilen darf. Das ist das Feuer, das trägt.


Danke dass du dir Zeit für diesen Artikel genommen hast. Das Format „12 von 12“ wurde ursprünglich von Draußen nur Kännchen ins Leben gerufen – und ich mag es sehr, weil es die kleinen Momente sichtbar macht, die im Alltag sonst oft untergehen.

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