Die Blogparade von Draußen nur Kännchen ruft wieder zu „12 von 12“ auf – zwölf Bilder aus dem Alltag am 12. eines Monats.
Der Frühling schreitet voran, wir stehen mitten im Wonnemonat Mai. Eigentlich die Zeit des Aufbruchs, des Neubeginns, des frischen Winds im Kopf. Und tatsächlich: Vieles geht mir gerade leichter von der Hand. Ich bin offen für neue Gedanken, Gespräche und Projekte. Doch meine schöne Frühlingsstimmung bekommt heute immer wieder Gegenwind.
Die Maiglöckchen kündigen den Mai und die Wiederbelebung der Natur an. Ihre weißen Blüten stehen für Glück, Reinheit und Neubeginn. Mein Garten ist voll davon – eigentlich ein Geschenk. Doch viele Blüten sind bereits verblüht.
Die Eisheiligen machen ihrem Namen alle Ehre. Nach einer bitterkalten Nacht liegt auf dem Mont-Sujet, unserem Hausberg, nochmals Schnee. Regen peitscht gegen die Fenster, der Wind bläst stürmisch durchs Land. Statt Sommerlaune herrscht Novembergefühl.

Die Gartenarbeit ruht. Meine Anzuchtpflanzen habe ich vor dem Erfrieren ins Haus gerettet, empfindliche Pflanzen draußen abgedeckt. Der Frühling fühlt sich heute verletzlich an.


Der neue Tag beginnt ruhig. Kein Stress, kein Hastgefühl. Beim Frühstück springt mir aus der Zeitung das Rezept einer Spargelkreation entgegen. Spargel hat gerade Hochsaison und wandert in allen Variationen auf meinen Speiseplan. Dieses Rezept landet vorerst direkt in meinem Sammelkorb.


Pünktlich um sieben Uhr trifft der Fliesenleger ein. Er arbeitet konzentriert und mit beeindruckendem Können an unserem neuen Badezimmer. Morgen soll alles fertig werden. Die Vorfreude darauf ist groß.
Input ist für mich lebenswichtig. Ohne Inspiration, Austausch und neue Gedanken verkümmere ich innerlich. Gerade jetzt, in dieser Frühlingsphase, spüre ich deutlich, wie wichtig mir Begegnungen und geistige Nahrung sind.
Alles Neue muss ich zuerst verarbeiten. Ich muss es „verdauen“, verstehen und fühlen, bevor ich es nutzen kann. Im Moment habe ich gute Energie dafür. Doch ich kenne mich inzwischen gut genug, um zu wissen: Zu viel Input kippt irgendwann. Dann wird aus Inspiration Überforderung. Die Natur liebt Regelmäßigkeit – und ich offenbar auch.
Mein Roman ist fertig geschrieben. Der Veröffentlichungsprozess hat begonnen. Für mich ist das komplettes Neuland, deshalb lasse ich mich von einer erfahrenen Schreibkollegin begleiten. Es gibt unzählige Entscheidungen zu treffen.
Seit heute steht eine erste grobe Planung: Veröffentlichung im Spätsommer.

Ich habe mich fürs Selfpublishing entschieden – und plötzlich geht es nicht mehr nur ums Schreiben, sondern auch um Sichtbarkeit, Marketing und Unternehmertum.
Zu meiner Sichtbarkeit gehört jetzt auch ein professionelles Autorenfoto. Also recherchiere ich Fotograf:innen, notiere Adressen und fahre gut vorbereitet in die Stadt. Und wenn ich schon unterwegs bin: Für eine Hochzeit brauche ich außerdem noch eine passende Handtasche.

Und diese Ecke zuhause möchte ich aufräumen. Ein kleines Holzgestell aus dem Brockenhaus soll helfen.
Ich habe mir den Nachmittag für alles freigehalten. Doch der Tag entwickelt plötzlich eine ganz andere Dynamik.

Die Handtasche ist schnell gefunden. Nicht gewöhnlich, kein 08/15-Modell – und sie passt perfekt zum Outfit. Für einen kurzen Moment kehrt Leichtigkeit zurück.
Dann beginnt die Suche nach den Fotostudios.
Die erste Adresse: ein dunkler Eingang. Ein Briefkasten ist vorhanden, aber kein Studio. Die zweite Adresse: nichts angeschrieben, nichts passt zu den Angaben im Internet. Die dritte Adresse: ein Foto-Mietstudio an dem Ort, wo ich früher einmal einen Schreibkurs besucht habe.
Ich laufe kilometerweit durch die Stadt. Mein Energielevel sinkt spürbar.

Nebenan entdecke ich ein Café. Ich brauche dringend einen petit café und etwas Süßes. Der Servicemitarbeiter beobachtet meine Orientierungslosigkeit durch die Fensterscheibe und begegnet mir mit ehrlichem Mitgefühl.
Eine letzte Adresse habe ich noch. Der Eingang liegt in einem Coworking-Space. Das Schaufenster ist verklebt, innen dunkel. Ich trete ein, erkenne nur Schatten von Menschen – und verlasse den Raum sofort wieder rückwärts. In diesem Moment merke ich: Meine Toleranzgrenze ist erreicht.
Früher ging ich einfach in ein Fotogeschäft, ließ ein Portrait machen und erledigte die Sache in einer Stunde. So etwas gibt es heute offenbar nicht mehr. Das erfahre ich später telefonisch von einem Fotografen.
Trotzdem versuche ich noch das Brockenhaus. Doch dort dröhnt die Musik so laut, dass mir innerhalb weniger Minuten die Ohren schmerzen. Wieder gehe ich unverrichteter Dinge hinaus.
Ich will nur noch nach Hause.
Zu viele Eindrücke. Zu viel unverdauliche Welt. Ich spüre deutlich, wie nahe ich meiner Belastungsgrenze komme.
Liebe dich und deinen Körper.
Meine Kraft und meine Freude sind mir wichtig geworden. Heute lief einiges schief. Ich möchte das weder analysieren noch dramatisieren. Es hilft mir nicht weiter.
Es ist Frühling. Die Zeit des Wachsens, nicht die Zeit des Ausbrennens. Ich will mich nicht hetzen, nicht überfordern und schon gar nicht aufgeben.
Ich will ruhig bleiben. Nachspüren. Weitergehen. Und vor allem auf mein Bauchgefühl hören.

Und wie um das zu bestätigen, geniessen wir heute den Abend unter blauem Himmel und mit Sonnenschein.


Es gibt zu feiern: meine neue Tasche – ich liebe sie jetzt schon. Und der Auftrag zur Veröffentlichung des Romans – ein riesiger Meilenstein.