Natur und Kreativität: Rückblick auf mein Schreibjahr

Mein erstes Jahr im Berner Jura – ein Jahr voller unvergesslicher Erlebnisse.

„Es ist ja nur eine halbe Stunde vom alten Wohnort entfernt.“ Da sind wir schnell im neuen Alltag. Dachte ich.

Aber – ich hatte nicht daran gedacht: Auch kleinste Veränderungen haben grosse Auswirkungen. Mein Compagnon und ich leben seit einem Jahr in einer ganz anderen Umgebung, nah an der Natur. Der grösste Anteil der Französisch sprechenden Menschen des Kantons lebt im Berner Jura. Und – wir leben in einem Dorf. Sprache, Mentalität, Einstellungen, Haltungen sind anders.

Neues lag da wie Hunderte Enden von Wollknäueln und mir war, ich brauchte die Enden nur aufzunehmen. Doch halt! Nicht einfach. Und nicht alle. Genau hinschauen, welches Ende ich nehme und aufrolle. Jeder aufgenommene Faden ist ein Gedanke, eine Möglichkeit, ein Tor zu einer neuen Geschichte im Leben. Doch neben all dem Neuen ist sehr viel Stress abgefallen. Für uns ist es nicht nur grüner, aber auch ruhiger, gelassener geworden.

Jetzt herrscht draussen dicker Nebel. Dieses Weiss und Grau, in dem die Bäume nur Schatten sind, in dem Krähen sich am Morgen früh auf der Wiese nebenan versammeln und dann krächzend davon fliegen. In dem die Sonne als milchige Scheibe durch das Weiss drückt und eine mystische Stimmung hinterlässt und – sämtliche Geräusche gedämpft sind. Und ich staune immer wieder, wie Nebel mich inspiriert

In diesem Rückblick auf mein Schreibjahr nehme ich dich mit in einige wichtige Ausschnitte dieses Jahres.

  1. Meine kleine Schreibfabrik
  2. Mein Roman-Baby
  3. Stricken ist wie Yoga
  4. Projekt 12 von 12
  5. Mein Buchtipp
  6. Zwischen den Jahren

Meine kleine Schreibfabrik

Meine kleine Schreibfabrik hat sich mit dem Umzug vor einem Jahr in einen einzigen kreativen Raum verwandelt. Vorher teilte ich aus Platzgründen alles auf zwei auf – kompliziert. Zu kompliziert.

Jetzt ist alles, was ich zum Schreiben brauche in diesem einen Raum untergebracht. Und ich liebe diesen Blick durchs Fenster in die Natur, es ist ein Energiesammler und Motivation zugleich. Dafür bin ich sehr dankbar.

Dieses Jahr durfte ich das Zertifikat für den erfolgreichen Abschluss der Romanwerkstatt für Frauen- und Liebesromane entgegennehmen, in der ich mein Schreiben entwickelt und vertieft habe. Nun werde ich mich wieder dem kreativen Schreibfluss überlassen im Wissen, ich habe viele Werkzeuge dazubekommen. Entstanden sind in diesem Jahr einige Essays, die dir von Nutzen sein könnten:

  • Garrigue entdecken: Denke ich an Frankreich, denke ich Garrigue. Ein persönliches Essay über Nähe und Wandel.
  • Wenn Freiheit leise verschwindet: Fremdbestimmung. Was passiert im Leben, wenn man keine Wahl zu haben scheint. Und was passiert, wenn man auf einmal die Chance hat, sein Leben in die eigenen Hände zu nehmen und alles zu verändern?
  • End der Welt: Wenn das Ende der Welt plötzlich zum Dorf wird. Eine kleine Wandergeschichte ans End der Welt und anderen Anfängen.

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Mein Roman-Baby

Manchmal braucht es Zeit, bis etwas Wirklichkeit wird. Sei es ein Gedanke. Oder eine Geschichte. In vielen leisen Stunden ist aus Worten langsam ein Buch geworden.

Dann kam der Moment, in dem ich das Wort ENDE darunter schrieb. Ein Buch, das lange eine Idee war – und nun seinen Weg findet, aber noch nicht am Ziel ist. Ich habe überarbeitet, Testleser bekamen das Manuskript und gaben Feedback. Der erste bedeutende Meilenstein auf dem Weg des Buches. Dann – das erste Lektorat. Der zweite bedeutende Meilenstein – für einen kritischen Blick auf Inhalt, Aufbau, die Figuren und Sprache.

Jede Geschichte öffnet eine Tür und jede Seite ist ein Abenteuer. Das ist mir erneut klar geworden. Jetzt freue ich mich darauf, alle die wertvollen Feedbacks und neu aufgeworfenen Fragen in mein Manuskript einzuarbeiten. So vieles hat sich geklärt und bringt mich und meinen Roman weiter. Im neuen Jahr werde ich Meilenstiefel überziehen und voranschreiten.

Stricken ist wie Yoga

Anfang dieses Jahres hat mich in Südfrankreich die Strick-Leidenschaft gepackt. Aus zeitlichen Gründen blieb diese Leidenschaft bisher in eine kleine Ecke verdrängt.

Doch dieses Jahr gab es kein Zurück mehr. Dieses Wollknäuelende habe ich aufgenommen, ein Tor öffnete sich. Bis Weihnachten fertigte ich tatsächlich begeistert einige grosse und kleine Projekte. Darunter war etwas besonderes: einen Isländer-Pullover. Für meinen Compagnon.

Ich strickte ihn. Nach Anleitung. Dann probierte er ihn an. Ich schüttelte den Kopf und trennte den Pullover wieder auf! Nach einer Pause begann ich neu. Original Norwegerwolle sei sehr kratzig und dick, so dass sie für unser Klima eher ungeeignet sei, hat man mir gesagt. Kann ich nachvollziehen. Auch kann man sie bei uns nicht kaufen. Also liess ich mich beraten und wählte andere Wolle aus. Strickte Maschenmuster und passte alles der Anleitung an. Und dann – startete ich neu. Nach einem Drittel habe ich anprobieren lassen. Wieder aufgetrennt. Neu berechnet und wieder begonnen. Fertig gestellt und nach dem Probieren nochmal angepasst. Nach Monaten ist er endlich fertig geworden. Eine begnadete Strickkollegin hat mir ins Ohr geflüstert, nach dem zehnten Norweger oder Isländer hätte ich begriffen, wie man die stricke. Ausdauer braucht der Isländer …

Es ist wie mit meinem Roman. Und Stricken ist wie Yoga. Durch die rhytmischen Bewegungen entspanne ich und die Konzentration hilft mir, den Kopf frei zu bekommen. Es ist wie Meditation, Stricken entspannt mein Gehirn und gibt Raum frei für kreative Ideen. Wenn ich an einem schwierigen Absatz hänge, nehme ich mein Strickzeug in die Hände, um den Wortknoten zu entwirren.

Wenn du magst, dann nutze den Button am Ende des Artikels und teile mir mit, ob du selber strickst oder häkelst und wie es dir dabei geht.

Projekt 12 von 12

Als ich dieses Bilderblogformat entdeckte, gefiel es mir so, dass ich mitmachen wollte.

Wie weit ich es damit bringen werde, weiss ich nicht: Ich halte den 12. Tag des Monats mit 12 Bildern fest. Das sollte eigentlich keine grosse Sache sein. Nicht? Also schau immer wieder mal rein in meinen Blog.

Wenn du Lust hast, lies meinen ersten 12 von 12-Artikel vom Dezember nach.

Mein Buchtipp

Ein Buch in der Hand zu halten bedeutet für mich noch immer die Welt. Eintauchen in das Leben eines anderen Autors und seiner Figuren. Aus diesem Grund will ich auch keine professionellen Buchrezension schreiben. Es soll an dieser Stelle einfach nur der Tipp einer Leserin sein.

Klappentext: Jahrelang hat Nigel Slater Momente des Staunens, kuriose Begegnungen und besondere Beobachtungen in seinen Notizbüchern festgehalten. Er schrieb an seinem Küchentisch in London, in einer Fischerhütte in Reykjavik, in einem Moosgarten in Japan oder während eines Schneesturms in einer Wiener Konditorei.
Es sind die kleinen Augenblicke, Ereignisse und Begebenheiten, die Freude bereiten, bevor sie verschwinden. Die Misosuppe zum Frühstück, das Packen eins Koffers für eine Reise und die Beobachtung eines Schmetterlings. Nigel Slaters Sammlung ebenso flüchtiger wie schöner Momente lehrt uns, jeden Tag den Blick auf die Freuden zu lenken, die uns umgeben.

Mein Kommentar: Ich bin leidenschaftliche Hobbyköchin und folge auch schon mal einem Koch-Guru. Nigel Slater kannte ich noch nicht. Der angesehene britische Food-Journalist ist leise und hat eine Haltung zu Essen und Lebensmitteln, die mir aus der Seele spricht. Als mir dieses Buch zufällig in die Hände fiel, kaufte ich es spontan. Es ist eine Sammlung von Momentaufnahmen, von alltäglichen Freuden aus der Küche, dem Garten und auf Reisen. Diese eine Geschichte über die Kochlöffel zum Beispiel – ich werde nie wieder meine hölzernen Kochlöffel so achtlos behandeln, wie bisher …
Die Geschichten sind so detailliert und mit Herz geschrieben, dass sie meine Gute-Nacht-Geschichten geworden sind. Mit einem Lächeln auf den Lippen schlafe ich danach ein.

Tausend kleine Freuden ist ein Buch, das dazu einlädt, innezuhalten und die Augenblicke zu schätzen, die das Leben bereichern. Sie motivieren einen, die guten Dinge zu suchen und sie zu feiern.

Zwischen den Jahren

Das ist, wenn es draussen kalt ist, das Licht weicher wird und man spürt: Jetzt beginnt was Neues. Zwischen den Jahren ist wie eine Brücke.

Draussen herrscht gerade kein Wintermärchen. Kein pulveriger Schnee. Kein blauer Himmel. Die Landschaft ist erstarrt vor Kälte. Es ist meist neblig und düster. Braun, Grau und dunkelgrün herrschen als Farben vor. Eine Stimmung, die das Gefühl zwischen den Jahren zu stehen, noch verstärkt.

Aber es ist auch eine Zeit, die mich heuer besonders ruhig stimmt. Im Dorf herrscht keine Hektik, alles ist ruhig, aber nicht leblos. Zuhause zuzusehen, wie die Kerzen am Weihnachtsbaum sanft flackern und niederbrennen, dieser warme Schein des Lichts, das geht tief. Sehr tief. Gleichzeitig haben die Rauhnächte begonnen, ein jährliches Ritual zwischen den Jahren, das für mich eine willkommene Zeit ist des Nachdenkens über das vergangene Jahr. Des Beendens und Loslassen …

In ein paar Tagen endet das Jahr 2025. Von ganzem Herzen wünsche ich dir weiterhin frohe Feiertage. Ein glückliches 2026. Sei gesegnet mit Liebe, Freude und mit Menschen, die dich durchs neue Jahr unterstützen.

Danke, dass du da bist und meine Beiträge liest.


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