Heute wanderten mein Compagnon und ich von Zuhause aus los – via L’Avenchie, auf den Spuren der Via Berna – bis ans End der Welt. Genauer gesagt: zum End der Welt in Magglingen. Durch den Forêt de la Marille kehrten wir wieder zurück. Drei Stunden dauerte diese kleine Rundtour, mit je 285 Höhenmetern auf und ab. Zahlen, die nüchtern klingen und doch nicht erfassen, was unterwegs geschieht.
Wenn das End der Welt in gut einer Stunde zu Fuss erreichbar ist, schrumpft die Welt gefühlt zum Dorf. Und doch ist es kein Ende. Denn von hier führen viele Wege weiter. Die Welt hört nicht auf, sie biegt ab. Vielleicht ist sie deshalb eine Kugel und keine Scheibe. Und wenn das End der Welt obendrein ein Grillplatz ist, dann ist es alles andere als ein düsterer Ort. Eher ein Ort, an dem man innehält, lacht, isst – und weiterzieht.
Gleich nebenan liegt die Eidgenössische Hochschule für Sport. Auch sie wirkt wie ein Dorf im Dorf: funktional, konzentriert, voller Bewegung. Während unseres Picknicks trainierten auf der Leichtathletikanlage junge Menschen in verschiedenen Disziplinen. Körper in Arbeit, im Rhythmus von Startsignalen und Pausen, von Anspannung und Loslassen.
Dann fiel uns diese eine Läuferin auf. Fünf junge Leute starten zum 200-Meter-Sprint. Sie überholt – und läuft ihren Laufkolleg:innen leichtfüssig davon. Wie eine Gazelle. Nicht ein einziges Mal, sondern bei jedem neuen Start. Immer wieder dasselbe Bild: ein kurzer Moment des Gleichschritts, dann die Trennung, dann der Vorsprung.
Am End der Welt, so schien es, begann für sie etwas anderes. Ein Möglichkeitsraum. Ein Anfang. Und wir fragten uns unwillkürlich: Haben wir hier vielleicht eine zukünftige Konkurrentin von Mujinga Kambundji gesehen – der schnellsten Frau der Schweiz?
Vielleicht ist das End der Welt genau der Ort, an dem man begreift, dass nichts endet – sondern etwas leise, fast unbemerkt, in Bewegung gerät.






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