Sommer am Jurasüdfuss dieses Jahr heisst vor allem: Heiss. Aber ab und zu gibt es mächtige Gewitter mit extrem düsteren, schwarzen Wolken, woraus Blitz und Donner sich jagen, heftige Winde um die Hausecken heulen und rauschender Regen auf die Erde fällt. Mehr Wasser wie im letzten Jahr fliesst auf jeden Fall. Und dafür bin ich sehr dankbar.
Genauso ist mein persönlicher Sommer bisher. Ferien in den Bergen, ein Garten, in dem es üppig wächst und gedeiht und ein Schreibwochenende im Jura. Alles ist im Fluss. Und dann ein Unfall nach den Ferien, der mich zwingt, meine Füsse still zu halten. Ausgerechnet. Mich, die so oft zu Fuss unterwegs ist und wandert. Ich kann zur Zeit keine geschlossenen Schuhe tragen, bin froh und dankbar, dass es Sommer ist. Meine physische Kondition aber leidet.
Ich habe diese Zeit jetzt genutzt, um mein grosses Schreib-Projekt vorwärts zu bringen. Wenn schon Füsse still halten, dann wenigstens schreiben und nachdenken, dachte ich. Und ich bin stolz auf den Fortschritt, obwohl noch viel Arbeit vor mir liegt.
Damit ein Roman gelingt, braucht es Planung und Struktur: Idee haben, Plot erstellen, Figuren entwickeln, Schauplätze beschreiben, Schlüsselszenen definieren, Dramaturgie planen, Prämisse suchen, Szenen basteln, Dialoge entwickeln, Recherche.
Und wann kommt bitte was, wie und wo? Wo fange ich an? Mit was? Fange ich an, zu planen, oder schreibe ich erst drauf los?
Nach einigem Nachdenken erscheint mir das wie ein Hausbau. Baue ich ein Haus frei und spontan, nach meinem Gutdünken? Oder zeichne ich besser zuerst einen Plan und baue dann?
Das Risiko beim spontanen Losbauen eines Hauses ist gross, dass alles oder Teile wieder zurück gebaut werden muss. Dann beginne ich von vorne. Ein riesiger Zeitaufwand, abgesehen von den Kosten. Baue ich ein Haus nach einem Plan, hat das den Vorteil, dass ich während des Bauens immer noch Änderungen vornehmen kann. So weit so gut.
An meinem Romanprojekt habe ich schon sehr viel geschrieben. Ohne zu planen, ich habe einen roten Faden gehabt. Und war nicht zufrieden damit. Jetzt merke ich, ich muss planen. Und DAS – ist im Nachhinein viel aufwändiger. Aber manchmal braucht man Phasen, in denen man einfach drauf los schreibt.
Jetzt bin ich daran, den optimalen Fluss zwischen Schreiben und Planen einer Geschichte zu finden. Mich darin einpendeln. Es ist weder einfach Losschreiben noch zuerst alles Planen. Es liegt irgendwo dazwischen. Ich schreibe los, plane, überarbeite, schreibe weiter, plane, überarbeite, schreibe, plane. Dann habe ich eine neue Idee und muss schreiben, bevor die Idee weg ist. So entwickeln sich die Geschichten mit meinen Figuren und meine Figuren mit den Geschichten.
Dass mich meine Füsse gezwungen haben, ein paar Wochen still zu halten ist sozusagen ein Geschenk. So habe ich mich intensiv mit dem Thema Schreibtyp, der Planung und meinem Schreibflow auseinandergesetzt. Ich baue statt physische eben Schreib-Kondition auf.
Einen weiterhin erholsamen Sommer.
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