12 von 12 im März 2026

Schon ist wieder der Zwölfte des Monats – es ist Abend und hier ist mein 12 von 12 im März.

Der Frühling ist erwacht. Die Natur explodiert in leuchtendem Gelb, Violett, Weiss und in zarten rosa Farbtönen. Es ist warm, die Nächte sind schon (fast) frostfrei. Frostfrei wird sich noch einige Zeit nicht durchsetzen.

Osterglocken

Die wilden Osterglocken sind einen Monat früher wie sonst da. Und mein Herz für essbare Wildpflanzen schlägt wieder höher. Ich sammle Bärlauch und Huflattichblüten.

Die Sonne geht früher auf und ich stehe noch vor dem ersten Kaffee auf der Terrasse … Ich atme bewusst rhythmisch den frischen, kühlen Sauerstoff ein. Meine kleine Morgenroutine hat grosse Wirkung auf mich.

Sie sorgt für eine gute Sauerstoffversorgung im Körper, ich bleibe beweglich und mein Immun- und Verdauungssystem funktioniert gut. Ich stelle mir beim Atmen vor, wie er meinen Körper von Überflüssigem und Störendem befreit. Wie es Raum gibt für all das, was der Tag für mich noch so bereithält.
Dabei hilft mir übrigens auch, dass ich die Panflöte wieder vom Dachboden geholt habe und spiele … Das braucht eine gute Bauchatmung.

Den Vormittag lang schreibe ich. Ich habe den richtigen Plot für mein grosses Romanprojekt endlich gefunden.

Ich erzähle die Geschichte so, wie ich es mir vorgestellt habe. Seit Anfang Jahr überarbeite ich und komme gut voran. Und heute … beginne ich mit dem dritten und letzten Teil der Geschichte. Ende Monat will ich fertig sein. Die Geschichte endet damit, dass die Heldin … Nein. Das verrate ich jetzt nicht. Ich plane, den Roman 2027 zu veröffentlichen. Bis dahin gibt es noch viel zu tun.  

Mein Compagnon organisiert ein knuspriges Poulet vom Grillwagen zum Mittagessen.

Der Wagen steht jeden Donnerstag in unserer Nähe. Wir berücksichtigen ihn ab und zu durch den Winter. Die Art, immer zu wissen, von welchem Hof die Poulets stammen, schätzen wir sehr.

Und dann … fahre ich gestärkt zum Panflötenunterricht nach Bern. Ich habe Glück, im Gegensatz zum zwölften Februar, der auch ein Donnerstag war, scheint heute die Sonne. Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen wurde der Waisenhausplatz bestuhlt. Er ist bis auf den letzten Platz besetzt.

Ich liebe es, über diesen Platz zu schlendern und zu beobachten. Jedes Mal springt mir ein Detail besonders ins Auge. Heute ist es dieser Schriftzug beim Beck Glatz Confiseur.

Nach dem Unterricht besorge ich mir eines seiner berühmten Mandelbärli für den Heimweg … zur Belohnung. Gerade sind sie halt Mandelhäsli

Im abendlichen Strom der Pendler schiebe ich mich durch den Bahnhof Bern Richtung Gleis. Alle scheinen zu wissen, wohin sie müssen.

Nur ich lasse mich von der Menge treiben … mit meinem Mandelhäsli in der Hand … ein- und ausatmend. Dann, nach ein paar Schritten kommt dieser Moment, in dem das Gehirn plötzlich eine wichtige Meldung nachreicht.

Moment mal.

Meine Tasche! Meine Panflöte und die Noten sind da drin! Sie steht noch beim Bäcker! Direkt neben der Auslage mit den Mandelhäsli, wo ich sie nur ganz kurz abgestellt habe.

Ich bleibe stehen. Hinter mir staut sich der Pendlerfluss wie ein kleiner Steinstau im Flussbett. Für einen Sekundenbruchteil überlege ich ernsthaft, ob ich heute vielleicht einfach ohne diese Tasche weiterleben könnte.

Dann aber drehe ich mich doch um und kämpfe mich gegen die Menschenmenge zurück.

Manchmal endet ein ganz gewöhnlicher Tag eben mit einer kleinen Expedition – zurück zum Bäcker. Als ich meine Tasche wieder in der Hand halte, muss ich über mich selbst lachen. Diese kleinen Aufregungen gehören offenbar genauso zu einem Tag wie ein Mandelhäsli.

Mit Achtsamkeit den Tag ausklingen lassen.

Atmen. Das Erlebnis im Bahnhof Bern hat mir aufgezeigt, warum ich morgens die Atemübungen mache. Sie unterstützen nicht nur meinen Körper, sie geben mir auch Kraft und Selbstbewusstsein. Selbstbewusstsein, das ich brauche, um mich von Druck und Stress sowie von Menschen, die mir auf die Pelle rücken, besser abzugrenzen oder wie heute Nachmittag ruhig zu reagieren …

Danke, dass du den Beitrag gelesen hast. Bonne nuit.


Dieser Beitrag ist verlinkt mit 12 von 12 bei Caro – und Draußen nur Kännchen – wo viele andere Tagesverläufe in zwölf Bildern, am zwölften Tag des Monats, dokumentiert und gesammelt werden.

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Avatar von Sandra Sandra sagt:

    Das wurde ja fast noch ein Krimi. Schön, dass es gut gegangen ist. Gute Nacht aus Dresden.

    1. Ja, ich bin auch sehr froh darüber. Panflöten sind teuer. Jemand hat die Tasche beim Verkaufspersonal abgegeben.

  2. Avatar von Britta Just Britta Just sagt:

    Hallo Gertrud,

    vielen Dank für das Mitnehmen durch Deinen Tag. Und ja, da bin ich ganz bei Sandra: Das war jetzt beim Lesen ein ganz schöner Schockmoment, als die Tasche fehlte 😅
    Gut, dass Du sie wieder hast.

    Viel Erfolg mit Deinem Roman und Hut an dafür!

    Liebe Grüße

  3. Nicht auszudenken, wenn sie wirklich weggewesen wäre … Ich spiele jetzt etwas bewusster ;-)

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